Schuetzengilde Historisch

Schützengilde Historisch – Teil III

Historische Sensation!

Vereinsgeschichte von 1925-1945 wiederentdeckt!

Vorwort

Liebe SGi-ler und Freunde des Vereins,

ein weiterer Teil der Vereinsgeschichte ist geschrieben. Eigentlich wollte ich heute lediglich meine Funde der letzten Archiv-Aktion in der Vereinscloud ablegen, aber neugierig wie ich halt nunmal bin, öffnete ich die bereits vorhandenen Dateien und Fotos der Cloud.

Erwartet habe ich nichts – überrascht wurde ich enorm und das Adrenalin pulsiert immer noch. Lest selbst, welche erstaunliche Entdeckung mir gelungen ist. Ich habe sie euch in Form eines Berichtes zusammengestellt und hoffe, dass ihr genauso viel Spaß an der Entdeckung habt wie ich.

Mit historischen Grüßen,

Jutta

Bericht von Jutta Wink, Stand 11. April 2026

Die Geschichte der Schützengilde Denzlingen 1925 e.V. von 1925–1945

Im Herbst 2024 haben mit dem bevorstehenden 100-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 2025 eine Handvoll Mitglieder begonnen, sich intensiver mit der Vereinsgeschichte zu beschäftigen.

Werner, Frank und Stefan fragten bei der Gemeinde Denzlingen an, ob sich in deren Archiven historische Unterlagen zum Verein befänden. Daraufhin wurde die Gemeinde tätig und stellte den dreien im Dezember 2024 freundlicherweise einige historische Akten zur Einsicht zur Verfügung.

Dafür möchte sich die Schützengilde Denzlingen 1925 e.V. nocheinmal recht herzlich bei der Gemeinde Denzlingen Bedanken!

Seitdem wissen wir, dass der Gemeinderat Denzlingen am 14. Juni 1925 einstimmig der Errichtung eines Schießstandes in der Gemeindeeigenen Lehmgrube zugestimmt hat – unser Verein war damit gewissermaßen geboren.
Der damalige Name lautete: Reservisten- und Landwehrverein Denzlingen.

Auf das Bild klicken um den Text ganz zu sehen

Ausgehend von diesen Informationen war es mir möglich, einen Zeitungsartikel vom 8. Juli 1932 zu finden.
Darin heißt es:

„Die Gründung des Kleinkaliberschützenvereins geschah am 30. Mai 1925. Die zweckmäßigen Schießanlagen sind Eigentum des Hauptvereins. Gegenwärtig werden die Vereinsgeschicke und mannigfachen Aufgaben mit tatkräftiger und umsichtiger Hand geleitet von den Herren Alfred Gaus, Friedrich Schwaab, Armin Rappold, Gustav Schwaab, Adolf Rith und Karl Jäger.“

Breisgauer Nachrichten 8. Juli 1932 - Gründungsdatum Schützenverein Denzlingen
Breisgauer Nachrichten 8. Juli 1932, Seite 8

Demnach ist der 30. Mai 1925 das tatsächliche Gründungsdatum des Vorgängervereins der Schützengilde Denzlingen, damals als eine Unterabteilung des bestehenden Kriegervereins.

Bisher sind wir davon ausgegangen, dass der Vorgängerverein der Schützengilde ein selbstständiger Verein war. Jedoch wirft der o.g. Zeitungsartikel ein anderes Bild auf die Geschichte.

Die Darstellung des Kleinkalibervereines als abhängigem Verein vom Kriegerverein ist jedoch diskussionswürdig. Im selben Artikel wird nämlich auch ein „Stiftungsfest des Reservisten- und Landwehrvereines“ erwähnt.

Es stellt sich also die Frage:
Wer organisierte dieses Treffen – der Kriegerverein oder bereits der Vorgängerverein der heutigen Schützengilde? Oder sind sie ein und der selbe?

Ein Artikel vom 30. Januar 1906 belegt, dass die Bezeichnung Reservisten- und Landwehrverein bereits damals verwendet wurde:

„Nach beendigtem Gottesdienst versammelte sich der Reservisten- und Landwehrverein […] unter seinem Vorsitzenden Rudolf Kasper.“

Breisgauer Nachrichten 30. Januar 1906
Breisgauer Nachrichten 30. Januar 1906, Seite 2

Noch weiter zurück reicht ein Bericht des Hochberger Boten vom 21. Januar 1896 anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Deutschen Reiches:

„Am Abend des festlichen Tages vereinigte der Reservisten- und Landwehr-Verein seine Mitglieder sowie die anderen hiesigen Vereine, um in einem wohlbesuchten Bankett mit Musik, Gesängen und Trinksprüchen das Fest ausklingen zu lassen. […] Sämtliche Hochs, zuletzt noch das des Vorstandes des Reservisten- und Landwehrvereins, Herrn Bürgermeister Rappold, auf die Armee, fanden begeisterte Aufnahme.“

Um die bestehende Vereinsgeschichte nicht grundlegend zu verändern, belasse ich es bei dieser Darstellung, aus der jeder seine eigenen Schlüsse ziehen mag.

Fest steht jedoch: Der am 30. Mai 1925 gegründete Kleinkaliberverein kann nicht losgelöst vom deutlich älteren ‚Reservisten- und Landwehrverein Denzlingen‘ (gegründet am 6. Oktober 1872. s. Artikel oben v. 08.07.1932) betrachtet werden.

Am 13. Juli 1925 erging ein Schreiben an den Verein, in dem die Genehmigung zum Kleinkaliberschießen in der Lehmgrube erteilt wurde. Diese Gemarkung existiert heute nicht mehr; bereits damals war sie stillgelegt und konnte daher vom neu gegründeten Verein genutzt werden. Die genaue Lage der Lehmgrube konnte bislang nicht ermittelt werden, jedoch bin ich auf eine handschriftliche Notiz aus den 70er Jahren gestossen, der zufolge die Lehmgrube im Volksmund „Hohli“ genannt wurde und um 1958 herum als Mülldeponie zugeschüttet wurde. Das Flurstück wurde mit „Lgb 5142“ angegeben.

Hier sind also noch ein paar Nachforschungen nötig, dann sollte auch dieses Geheimnis  zu lüften sein…

Ein  Schreiben des Bürgermeisters an den Verein vom 16. Oktober 1926 besitzt neben seiner inhaltlichen Bedeutung  auch einen besonderen historischen Wert: Ein handschriftlicher Vermerk nennt erstmals den Namen des ersten Vorsitzenden – Alfred Gaus.

Das handschriftliche Sütterlin heißt übersetzt: 

An den Vorstand des Kleinkaliberschützenvereins Denzlingen z.H. des Vorstandes Alfred Gaus

Zur gefäll (igen) Kenntnißnahme des vor stehenden Erlaßes und … tung gegen Eröfnungsbescheinigung

Bürgermeisteramt

1. Unterschrift A. Gaus 2. Unterschrift: Rappold

Dies ist die erste Nennung eines Vorsitzenden für den Verein, und wir kennen nun endlich den Namen unseres ersten 1. Vorsitzenden: Alfred Gaus

1927 scheint der Verein sportlich erste Erfolge zu feiern. Die Breisgauer Nachrichten vom 10. August 1927 berichten über das Kleinkaliber Turnier des Kleinkalibervereines Vörstetten und listen einen „Beiermeister-Denzlingen“ in der Siegerliste in der Kategorie C „Hauptschießen außer-Gau“. Es ist zu vermuten, dass es sich bei diesem Beiermeister um den späteren 1. Vereinsführer handelt.

Breisgauer Nachrichten 10. August 1927
Breisgauer Nachrichten 10. August 1927, Seite 2

Am 10. Juli 1930 zeigt sich die zunehmende Politisierung der gesellschaftlichen Lage in Deutschland. Der Verein musste – wie vermutlich viele Schützenvereine jener Zeit – einen Fragebogen ausfüllen, der uns sowohl in handschriftlicher als auch in maschinenschriftlicher Form vorliegt.

Daraus geht hervor: 

  • der Verein hatte 36 Mitglieder, davon 3 Jugendliche (17–20 Jahre)
  • er besaß 6 Kleinkalibergewehre
  • laut handschriftlicher Version: die Mitglieder hatten keine politische Ausrichtung

Bemerkenswert ist der Besitz von sechs Gewehren, da in mehreren Dokumenten gleichzeitig festgehalten wird, dass der Verein „über keine Barmittel verfügt“.

Ein späteres Schreiben an die Gemeinde mit der Bitte um Übernahme notwendiger Reparaturen gibt nicht nur Einblick in die finanzielle Lage, sondern auch in die Mitgliederentwicklung:
Zwischen 1930 (36 Mitglieder) und 1934 (120 Mitglieder) kam es zu einem starken Zuwachs. Dies dürfte im Zusammenhang mit der politischen Entwicklung jener Zeit stehen, insbesondere der Eingliederung nationaler Verbände in bestehende Vereine.

Auffällig ist zudem, dass dieses Schreiben nicht mehr von Alfred Gaus, sondern vermutlich von Matthias Schwaab unterzeichnet wurde. Ein Vorsitzwechsel ist daher wahrscheinlich, lässt sich jedoch nicht eindeutig datieren, da noch am 24. Januar 1934 ein Zeitungsartikel Alfred Gaus als Vorsitzenden nennt.

Für diesen Zeitraum ist erstmals der vollständige Vorstand überliefert:

  • Alfred Gaus – 1. Vereinsführer
  • Hambrecht – 2. Vereinsführer
  • Matthias Schwaab – Kassenwart
  • Armin Rappold – Schriftführer
  • Gustav Schwaab, Karl Jäger, Julius Nübling, Fritz Schwaab, Berthold Strohm, Alfred Zimmermann – Beisitzer

Für die folgenden Jahre fehlen teilweise Unterlagen. Die nächsten Dokumente stammen aus dem Jahr 1937.

Offenbar reichte die Lehmgrube nicht mehr als Trainingsgelände aus, sodass der Verein bei der Gemeinde die Zuweisung eines neuen Geländes beantragte. Die Suche gestaltete sich schwierig. Am 19. März 1938 wandte sich der Vorstand erneut an den Gemeinderat, mit der Bitte eine Lösung für einen neuen Schießstand zu finden.

Dieses Schreiben scheint nicht erfolgreich gewesen zu sein, denn im nächsten handschriftlichen Dokument bittet Bürgermeister Leimenstoll „ die herren Gemeinderäte wollen ihre Stellung neher vermerken.“ Darunter steht „als Mitglied des Schützenvereins denzlingen werthe ich die Errichtung des Schießstandes als eine dringliche Notwendigkeit.

  • Gustav Beiermeister
  • Mich(ael) Meier
  • Ernie? Main??
  • Jhs (Johannes) Rappold
  • L. Jundt

Zu diesem Zeitpunkt war Gustav Beiermeister Vereinsführer (Bezeichnung für den 1. Vorsitzenden zur damaligen Zeit) und somit der dritte Vorsitzende nach Alfred Gaus und Matthias Schwaab.

Auch dieses Gesuch blieb offenbar zunächst ohne Erfolg. Am 20. Dezember 1938 beantragte Vereinsführer Beiermeister erneut finanzielle Unterstützung für Reparaturen am Schützenhaus in Höhe von 100 Reichsmark, da der Verein „über keinerlei Mittel verfügt“.

Am 3. Januar 1939 erklärte sich die Gemeinde bereit, die Kosten zu übernehmen.

Es ist anzunehmen, dass Gustav Beiermeister bis 1945 Vorsitzender blieb. Weitere Dokumente zum Vereinsgeschehen nach 1939 liegen derzeit nicht vor.

Eine Zeitungsnotiz vom 14. Januar 1944 liefert zumindest einen Hinweis auf den Verbleib von Alfred Gaus: er wurde zum Kriegsortsgruppenleiter Denzlingen berufen.

Nach 1945

Mit dem Ende des Zweiter Weltkrieg lösten die Alliierten alle Schützenvereine auf – so auch den „Reservisten- und Landwehrverein Denzlingen“. In der Regel wurde das Vereinsvermögen beschlagnahmt; nur wenigen Vereinen gelang später eine Rückführung.

Am 16. September 1951 wurde der Deutscher Schützenbund in Frankfurt am Main neu gegründet.

Die Schützengilde Denzlingen 1925 e.V. entstand am 11. April 1975 als Nachfolgeverein des „Reservisten- und Landwehrverein Denzlingen“. Ob Vermögenswerte des Vorgängervereins übernommen werden konnten, ist unklar. Alle Dokumente deuten aber darauf hin, dass die Gründungsmitglieder weitgehend bei Null begannen – und dabei vor einem vertrauten Problem standen: Der Suche nach einem geeigneten Standort für einen Schießstand, s. Teil II der Historie.

Fazit

  • Gründungsdatum des Vorgängervereines der Schützengilde Denzlingen 1925 e.V.: 30. Mai 1925
  • Name des Vorgängervereines „Reservisten- und Landwehrverein Denzlingen“
  • Die Vorsitzenden von 1925-1945
    • 1925 – 1934: Alfred Gaus
    • 1934 – ?      : (Matthias) Schwaab
    • 1938 – ?      : Gustav Beiermeister
  • Bekannte Vorstandsmitglieder:
    • 1932: Alfred Gaus, Friedrich Schwaab, Armin Rappold, Gustav Schwaab, Adolf Rith und Karl Jäger
    • 1934: Alfred Gaus, Hambrecht, Matthias Schwaab, Amrin Rappold, Gustav Schwaab, Karl Jäger, Julius Nübling, Fritz Schwaab, Berthold Strohm und Alfred Zimmermann

Die Schützengilde Denzlingen 1925 e.V. hat mit heutigem Datum einen wesentlichen Teil ihrer Vereinsgeschichte zurück erhalten, es bleiben aber immer noch Lücken, die gefüllt werden möchten. Wer Details beitragen kann, sei es durch Anekdoten, Fotos oder weitere Zeitungsberichte, wird gebeten sich unter info@sgi-denzlingen.de an den Vorstand zu wenden. 

Und schaut euch gerne auch die anderen Artikel zum Thema Geschichte der Schützengilde Denzlingen 1925 e.V. an.

Historie Teil I

Historie Teil II