Bogenarten

Der Bogensport ist vielseitig und bietet für ganz unterschiedliche Interessen und Persönlichkeiten die passende Bogenart. Von traditionellen und historischen Bögen bis hin zu modernen, technisch geprägten Sportgeräten reicht die Bandbreite. In diesem Beitrag stellen wir dir einige Bogenarten vor. Unser Ziel ist es, dir als Besucher*in oder Neueinsteiger*in einen verständlichen Überblick zu geben und dir die Unterschiede zwischen den einzelnen Bogenarten aufzuzeigen.

Recurvebogen | Blankbogen | Langbogen | Compoundbogen | Primitivbogen | Weitere Bogenarten

Übersicht

Die folgende Tabelle gibt dir eine erste Übersicht über verschiedene Bogenarten und ihre jeweiligen Eigenheiten.

BogenartTechnikgradZielhilfeSchussauslösungTypischer Einsatz
RecurvebogenmittelVisier oder intuitivFingerWettkampfsport (olympisch), Feld, 3D
CompoundbogenhochVisier, Peep-SightReleaseWettkampfsport (ab 2028 olympisch), Feld, 3D
BlankbogenniedrigintuitivFingerTraditionell, Feld, 3D
LangbogenniedrigintuitivFingerTraditionell, Feld, 3D
Reiterbogenniedrig–mittelintuitivFinger / DaumenringTraditionell, 3D
Primitivbogensehr niedrigintuitivFingerHistorisch, 3D
Yumi (Kyūdō)niedrigintuitivFinger (Kyūdō-Handschuh)Kyūdō-Training
ArmbrusthochVisier / ZielfernrohrAbzugWettkampfsport, Historisch

Der Recurvebogen

Der Recurvebogen ist eine der klassischen und zugleich sportlich anspruchsvollsten Bogenarten. Seine nach vorne gebogenen Wurfarmenden ermöglichen eine effiziente Energienutzung und präzises Schießen. Der Recurve-Bogen verbindet traditionelle Technik mit moderner Sportausrüstung und ist fester Bestandteil des Vereins- und Wettkampfsports.

Aufbau und Funktionsweise

Das Mittelteil (Riser) bildet das stabile Zentrum des Recurvebogens. Es besteht aus Holz, Aluminium, Magnesium oder Carbon und dient als Träger für Griff, Pfeilauflage (Arrow Rest) sowie – je nach Ausführung – Visier, Button und Stabilisatoren.

Die Wurfarme sind flexibel aufgebaut und an ihren Enden charakteristisch nach vorne gebogen. Beim Ausziehen speichern sie die notwendige Energie, die beim Lösen der Sehne direkt auf den Pfeil übertragen wird. Viele Recurvebögen sind als Take-Down-Bögen ausgeführt und lassen sich für Transport und Wartung zerlegen.

Die Bogensehne verbindet oberen und unteren Wurfarm. Der Abschuss erfolgt in der Regel mit den Fingern, was ein hohes Maß an Technik und Wiederholgenauigkeit erfordert.

Der Pfeilauflage sorgt für eine definierte Pfeilposition. In Kombination mit dem Button (Druckpunkt) wird ein sauberer und gleichmäßiger Pfeilflug unterstützt. Je nach Disziplin wird intuitiv (Blankbogen) oder mit Visier geschossen. Stabilisatoren verbessern zusätzlich Balance und Zielruhe des Bogens. Für Visierschützen dient der Klicker als klares Signal für den Auslösezeitpunkt und sorgt für eine stets gleiche Auszugslänge – eine wichtige Voraussetzung für präzise und reproduzierbare Schüsse, insbesondere im olympischen Recurve-Bereich.

Beschrifteter Recurvebogen
Bild: Accountalive, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Abbildung eines Recurvebogens
Abbildung eines Recurvebogens - Rechtshand; Quelle: Deutscher Schützenbund

Aufbau eines Recurve-Bogens (Take Down) am Beispiel eines Rechtshandbogens.

Einsatz im Sport

Der Recurve-Bogen ist bis 2028 die einzige Bogenart im olympischen Bogensport. Darüber hinaus wird er im Vereins-, Freizeit-, Feld- und 3D-Schießen eingesetzt und eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für ambitionierte Sportschützen.

Der Blankbogen

Der Blankbogen in ein Recurvebogen, ausgestattet mit nur sehr wenig Hilfsmitteln.

Aufbau und Funktionsweise

Das Mittelteil (Riser) bildet das stabile Zentrum des Bogens. Es besteht aus Holz, Aluminium, Magnesium oder Carbon und dient als Träger für Griff, Pfeilauflage (Arrow Rest) sowie – je nach Ausführung – Button und sehr kurze Stabilisatoren.

Die Wurfarme sind flexibel aufgebaut und an ihren Enden charakteristisch nach vorne gebogen. Beim Ausziehen speichern sie die notwendige Energie, die beim Lösen der Sehne direkt auf den Pfeil übertragen wird. Viele Blankbögen sind als Take-Down-Bögen ausgeführt und lassen sich für Transport und Wartung zerlegen.

Die Bogensehne verbindet oberen und unteren Wurfarm. Der Abschuss erfolgt in der Regel mit den Fingern, was ein hohes Maß an Technik und Wiederholgenauigkeit erfordert.

Der Pfeilauflage sorgt für eine definierte Pfeilposition. In Kombination mit dem Button (Druckpunkt) wird ein sauberer und gleichmäßiger Pfeilflug unterstützt. Der Blankbogen wird intuitiv ohne Visier und ohne Klicker geschossen. Es sind nur sehr kurze Stabilisatoren erlaubt, welche eine bestimmte Länge nicht überschreiten dürfen.

Einsatz im Sport

Der Blankbogen wird im Vereins-, Freizeit-, Feld- und 3D-Schießen eingesetzt und eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für ambitionierte Schützen, welche gerne ohne Visier auf bis zu 50 Metern treffen wollen.

Bei Blankbogen ist ein String-Walking (variieren der Zugfinger auf der Sehne in der Höhe) erlaubt. 

Der Langbogen

Der Langbogen ist eine ursprüngliche Form des Bogensports und steht für Tradition, Konzentration und ein unmittelbares Schießerlebnis. Er verzichtet bewusst auf technische Hilfsmittel und vermittelt ein besonders naturnahes und intuitives Gefühl beim Schießen.

Aufbau und Funktionsweise

Der Langbogen besteht in der Regel aus einem durchgehenden, schlanken Bogenkörper, meist aus Holz oder modernen Holzlaminaten. Im Gegensatz zum Recurve- oder Compound-Bogen sind die Wurfarme nicht nach vorne gebogen, sondern nahezu gerade ausgeführt.

Das Griffstück ist nur leicht ausgeformt und geht fließend in die Wurfarme über. Zubehör wie Visier, Button oder Stabilisatoren kommen beim Langbogen nicht zum Einsatz. Der Pfeil wird über den Bogenrücken (Shelf) geschossen.

Die Bogensehne wird ausschließlich mit den Fingern gezogen und gelöst. Diese einfache Bauweise erfordert eine saubere Technik, gutes Körpergefühl und eine hohe Konzentration auf Bewegungsablauf und Zielbild.

Einsatz im Sport

Der Langbogen wird vor allem im traditionellen Bogensport, im 3D- und Feldbogenschießen eingesetzt. Er eignet sich besonders für Schützen, die Wert auf Ursprünglichkeit, Ruhe und Intuition legen. Auch im Vereinsbetrieb bietet der Langbogen einen bewussten Gegenpol zu technisch geprägten Bogenarten und spricht sowohl Einsteiger als auch erfahrene Schützen an.

Der Compoundbogen

Der Compoundbogen ist ein moderner Sportbogen, der durch seine technische Bauweise eine besonders hohe Präzision ermöglicht. Umlenkrollen an den Wurfarmen reduzieren die Haltekraft im Vollauszug deutlich und erlauben ein ruhiges und kontrolliertes Zielen.

Abbildung eines Compoundbogens
Abbildung eines Compoundbogens - Rechtshand; Quelle: Deutscher Schützenbund.

Aufbau und Funktionsweise

Das Mittelteil (Riser) besteht meist aus Aluminium oder Carbon und bildet das verwindungssteife Zentrum des Compound-Bogens. Es trägt Griff, Pfeilauflage, Visier, Stabilisatoren sowie weitere technische Komponenten.

Die kurzen, steifen Wurfarme speichern beim Ausziehen die Energie, die über das Sehnen- und Kabelsystem auf den Pfeil übertragen wird. Charakteristisch sind die Cams an den Enden der Wurfarme. Sie erzeugen den sogenannten Let-off, bei dem im Vollauszug nur noch ein Bruchteil der Zugkraft gehalten werden muss.

Die Arrow-Rest (Pfeilauflage) hält den Pfeil exakt in Position. Häufig kommen moderne Systeme wie Drop-Away-Reste zum Einsatz, die den Pfeilflug möglichst wenig beeinflussen.

Gezielt wird mit einem Visier (optional mit Vergrößerungsoptik), meist in Kombination mit einem Peep-Sight in der Sehne. Der Abschuss erfolgt über ein Release, das die Sehne mechanisch löst und so eine sehr gleichmäßige Schussauslösung ermöglicht. Stabilisatoren und Dämpfer verbessern Balance und Schussruhe des Bogens.

Einsatz im Sport

Compound-Bögen werden im Vereins-, Feld- und 3D-Bereich sowie im leistungsorientierten Wettkampfsport eingesetzt. Ab den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles wird der Compoundbogen eine olympische Disziplin sein. Sie eignen sich besonders für Schützen, die Wert auf technische Präzision und reproduzierbare Schüsse legen.

Einsatz bei der Jagd

In einigen Ländern ist die Bogenjagd – teilweise mit strengen Auflagen – erlaubt. Beispiele (jeweils länderspezifisch und oft regional geregelt):

  • zahlreiche US-Bundesstaaten
  • Teile von Kanada
  • einige Länder in Osteuropa und Skandinavien
  • verschiedene Staaten in Afrika

In Deutschland bleibt der Compoundbogen ein reines Sportgerät und ist nicht zur Jagd zugelassen.

Der Primitivbogen - traditioneller Bogen

Der Primitivbogen orientiert sich an den frühesten Formen des Bogens und wird aus natürlichen Materialien gefertigt. Er steht für die ursprünglichkeitste Form des Bogensports, handwerkliches Können und ein besonders intensives Schießerlebnis.

Aufbau und Funktionsweise

Primitivbögen bestehen meist aus einem einzigen Holzstück (englisch: Selfbow) oder einfachen Holzlaminaten. Die Form ist schlicht, ohne ausgeprägtes Griffstück oder technische Anbauteile. Zubehör wie Pfeilauflage, Visier oder Button wird nicht verwendet.

Der Pfeil wird in der Regel über die Hand geschossen. Das heißt, es ist keine moderne Aussparungen wie ein Schussfenster vorhanden. Die Sehne wird mit den Fingern gezogen und gelöst, was eine saubere Technik und viel Gefühl erfordert.

Einsatz im Sport

Der Primitivbogen wird vor allem im traditionellen und historischen Bogensport sowie im 3D-Schießen genutzt. Er richtet sich an Schützen, die das einfache, ursprüngliche Bogenschießen schätzen und bewusst auf moderne Technik verzichten.

Weitere Bogenarten

Es gibt noch viele weitere Bogenarten, welche ihren eigenen Reiz und Herausforderungen haben.

Zum Beispiel:

  • Reiterbogen – traditionelle Bogenform mit Ursprung in den Reitervölkern Asiens und des Nahen Ostens
  • Yumi – bei Kyūdō verwendeter japanische Bogen
  • Armbrust – historisch auch Kreuzbogen genannt
  • uvm.
Yumi Bow
Bild: Fukutaro, Public domain, via Wikimedia Commons

Aufbau eines Yumi (japanischer Bogen)

Bogensport

Bogenplatz

Anfahrt Bogenplatz

Anfahrt Sporthalle